DVB-T

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Unter DVB-T (Digital Video Broadcasting-Terrestrial) versteht man den internationalen Standard für digitales Fernsehen, welches über die normale Hausantenne empfangen werden kann. Wie bei den anderen DVB Standards, erfolgt die Ausstrahlung auch bei DVB-T nach MPEG-2 Norm, welche heute nahezu weltweit für die Digitalisierung von TV-Signalen eingesetzt wird.

DVB-T wurde hauptsächlich für die Uebertragung von TV-Signalen konzipiert. Doch so wie die anderen DVB-Standards, erlaubt auch diese Technik die zusätzliche Verbreitung von Audiosignalen oder Datendiensten. DVB-T ermöglicht es, mit der gleichen Kapazität eines analogen TV-Kanals bis zu 4 TV-Programme zu übertragen. Je nach Komprimierungsgrad und genutzter Bandbreite ist zudem die Ausstrahlung einer Vielzahl von Radioprogrammen möglich.

Für DVB-T spricht, dass die gleiche Infrastruktur genutzt werden kann, welche auch für die Verbreitung von digitalem Fernsehen eingesetzt wird. Nachteilig ist, dass DVB-T primär für den Heimempfang ausgelegt wurde und für den mobilen Empfang nur bedingt geeignet ist.

In verschiedenen Ländern Europas konnte sich DVB-T bereits seinen festen Platz erobern. Namentlich in Deutschland kann DVB-T schon kurz nach der Einführung auf eine Erfolgsgeschichte zurück blicken. Mehrere Bundesländer haben den Standard bereits eingeführt und erreichen schon jetzt ein breites Publikum.

In der Schweiz wird sich DVB-T wahrscheinlich hauptsächlich in Gebieten durchsetzen können, die aufgrund besonderer geographischer Gegebenheiten nur sehr unzureichend mit Kabelfernsehen erschlossen sind. Namentlich im Oberwallis und im Kanton Graubünden werden heute grossflächige DVB-T Pakete verbreitet, welche auch über ein attraktives Programmangebot verfügen. Das Angebot der Valaiscom für die Region Oberwallis umfasst heute 37 TV-Kanäle und über 30 Radioprogramme. Im Kanton Graubünden konzentriert sich die Tele Rätia AG vorerst auf die Verbreitung von digitalen TV-Programmen.

Auch die SRG SSR idée suisse beabsichtigt, zumindest einen Teil ihrer Programmpalette via DVB-T auszustrahlen. Im Sinne der landesweiten Grundversorgung sollen vorerst 4 TV-Programme digital via Antenne empfangbar sein. Bereits erschlossen sind neben dem Tessin und dem Unterengadin auch erste Gebiete der Westschweiz. Nach erfolgreicher landesweiter Migration auf DVB-T, dürfte die Verbreitung analoger TV-Programme wohl mittelfristig eingestellt werden.

[bearbeiten] Technik

Die für DVB-T genutzten Übertragungs-Frequenzen entsprechen den schon vom analogen Rundfunk bekannten UHF- und [VHF]-Kanälen, von denen in Europa im VHF-Bereich jeder 7 MHz und im UHF-Bereich jeder 8 MHz umfasst. Bei der digitalen Ausstrahlung lassen sich diese Kanäle effektiver ausnutzen als bei analoger Technik, da mehrere Sender pro Kanal übertragen werden können. Das funktioniert, indem durch das verwendete Modulationsverfahren COFDM die Bandbreite in mehrere tausend Einzelträger aufgeteilt wird. Jeder dieser Einzelträger wird dann wiederum mit einem der drei für DVB-T festgelegten Modulationsverfahren QPSK, 16-QAM oder 64-QAM moduliert.

Die Modulation mit COFDM ist nötig, da sich die bei DVB-S und DVB-C verwendeten Verfahren QPSK bzw. QAM für die Ausbreitungscharakteristik terrestrischer Wellen im VHF/UHF-Bereich als ungünstig erwiesen haben. Hinzu kommt, dass Kabel- und Satellitenempfänger weder darauf ausgelegt sein müssen, dass sich die Empfänger bewegen, noch mehrere Sender im Empfangsbereich aktiv sind. Da bei DVB-T häufig mehrere Senderstandorte dasselbe Programm auf derselben Frequenz abstrahlen (so genannter Gleichwellenfunk), unterscheiden sich regional einzelne Kodierparameter der Ausstrahlung, wie zum Beispiel die Länge des Schutzintervalles. Diese Einstellungen wirken sich direkt auf die Nutzdatenrate der Aussendung aus.

Die praktisch erreichte Datenrate pro Kanal liegt je nach eingestellten Parametern zwischen ca. 12 und 20 Mbit/s. Hierbei stellt z. B. Nordrhein-Westfalen auf Grund der niedrigeren Senderdichte und der damit einhergehend notwendig höheren Länge des Schutzintervalls nur 12,75 Mbit/s bereit, wohingegen in Berlin 14,25 Mbit/s erzielt werden. Nach Angaben der DVB-T-Mitteldeutschland erreicht man dort bei 64-QAM bis zu 20 Mbit/s. Die Datenrate eines Kanals (nicht zu verwechseln mit einem Bouquet) wird hierbei auf mehrere (meistens vier) Programme aufgeteilt. Jedes einzelne Programm bekommt somit eine mittlere Bitrate von ca. 3 bis 3,5 Mbit/s. Zum Vergleich: Für eine dem heutigen analogen PAL-Fernsehsignal gleichwertige Bildqualität werden bei digitaler Übertragung ca. 3 bis 5 Mbit/s benötigt, auf DVDs werden maximal Datenraten bis zu 9,8 Mbit/s erreicht.

Bei der Übertragung von Bildern mit hohem Bewegungsanteil (z. B. Action- oder Sportszenen) mit nur 3,5 Mbit/s kann es zur Bildung von sogenannten Blockartefakten (Klötzchenbildung) kommen. Das Playoutcenter hat jedoch die Möglichkeit, die Datenrate jedes Kanals innerhalb des Multiplexes dynamisch zuzuweisen. Rein statistisch betrachtet wird nicht auf allen Kanälen gleichzeitig die volle Bandbreite benötigt. In der Praxis sind jedoch nur wenige Sender in der Lage, diese Möglichkeit auszuschöpfen. Die Sender reduzieren lieber die Auflösung der Übertragung und liefern so ein unscharfes Bild, das jedoch weniger Artefakte enthält. Da Artefakte wesentlich auffälliger sind als unscharfe Bilder, haben auch die meisten Zuschauer kein Problem mit diesem „Kunstgriff“.

Wie bei den anderen DVB-Varianten auch wird bei DVB-T der sogenannte „Multiplex“ (gesamte Daten, die auf einem Kanal übertragen werden, beinhaltet in der Regel mehrere Programme) als MPEG-2-TS (Transport Stream) übertragen. Dies darf nicht verwechselt werden mit der Kodierung der einzelnen Videostreams der enthaltenen Programme, diese können unabhängig davon mit einem beliebigen Videocodec komprimiert werden. Bisher wurde dafür immer MPEG-2-Video verwendet. Es wäre aber (wie bei DVB-S bereits der Fall) technisch auch problemlos möglich, mit MPEG-4-AVC (H.264) kodierte Videostreams zu versenden, etwa zur Bandbreitenersparnis bei HDTV-Inhalten. Für die Spezifikation dieses neuen Standards, der auch DVB-T2 genannt wird, wurde bereits eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Alte Geräte können DVB-T2 jedoch nicht empfangen. Man kann jedoch davon ausgehen, dass neue Geräte DVB-T2 und den alten Standard nach MPEG2 decodieren können.

Insbesondere in einigen Ländern Osteuropas, in denen sich DVB-T zur Zeit erst in der Planung bzw. Testphase befindet, ist das Interesse an MPEG-4-AVC-kodiertem DVB-T deutlich größer als an der in Westeuropa üblichen älteren MPEG2-Kodierung. Somit dürfte sich mittelfristig ein „Bruch“ zwischen Ost- und Westeuropa ergeben, was die grenzüberschreitende Nutzung entsprechender Set-Top-Boxen angeht.

[bearbeiten] WebLinks

http://www.digitalesfernsehen.ch/versorgungskarte2.aspx Versorgungskarte DVB-T für die Schweiz mit Suchfunktion

[bearbeiten] Quelle